4.7.3 Lokale Gemeinschaft stärken

Hohe Mobilität, Internet sowie allseits verfügbare Telekommunikation begünstigen die Bildung von Gruppen und Netzwerken, die keinen lokalen Bezug mehr haben.

Kommentar

Die immer stärker ausgeprägte Telekommunikation schafft es, dass Menschen auch über große Entfernungen hinweg miteinander kommunizieren und voneinander lernen können. Das ist schon allein deswegen eine wunderbare Sache, da sie die Gemeinsamkeiten mit dem vermeintlich Fremden aufdecken kann. Solches Lernen und Überwinden der Grenzen im Kopf führt nicht zur Aufhebung der gegenseitigen Solidarität, wie die AfD hier wohl meint. Im Gegenteil sind es gerade die geistigen Weltbürgerinnen, die sich lokal am meisten, stärksten und nachhaltigsten engagieren.

Die Bindungen und Verbindungen zu Menschen im eigenen Umfeld verlieren damit an Bedeutung mit der Folge, dass sich die städtische Anonymität immer mehr auch in den Vororten und im ländlichen Raum ausbreitet. Wenn sich die lokalen Gemeinschaften aufzulösen beginnen, schwächt dies die Gesellschaft. Sie wird zunehmend von staatlich-politischen sowie wirtschaftlichen Akteuren dominiert, da sie ihre Interessen nicht mehr ausreichend zu artikulieren vermag.

Kommentar

Vor Ort auf dem Lande gibt es viele Menschen, die nicht von Konflikt, Katatrophe und Niedergang schwafeln, sondern stattdessen etwas verändern wollen. In jedem Landkreis, jeder Kommune und Gemeinde in Sachsen-Anhalt gibt es Initiativen und Vereine, die sich für lokale und regionale Belgange engagieren. Unter verschiedenen landesweiten Dachverbänden zählt
allein der Landesheimatbund mehr
als 200 Mitgliedsvereine.

Insbesondere das karitative, integrative
und politische Engagement mit und für geflüchtete Menschen hat in den letzten Monaten gezeigt, wie wichtig es den Menschen in Sachsen-Anhalt ist, Willkommenskultur vor Ort zu leben und Solidarität zu zeigen. Das  kommt nicht zuletzt den Regionen zu Gute!

So begrüßenswert es also scheint, dass die AfD lokales Engagement fördern möchte, ist es beschämend, dass ihre Kritik auf Kosten tausender engagierter Menschen geht. Nicht zuletzt ist es aber scheinheilig, genau diese Menschen auf AfD-Kungebungen als »naive Gutmenschen« und »Volksverräter« beschimpft und bedroht werden.

Deshalb benötigt eine freiheitlich verfasste Gesellschaft eine starke Bürgerschaft. Nur eine Gesellschaft mit Zusammenhalt ist auch eine humane Gesellschaft. Die Lebensqualität hängt hier nicht zuletzt vom emotionalen Bezug zum Wohnort, zu den Menschen im eigenen Lebensumfeld, vom Heimatgefühl ab.

Kommentar

Die AfD fordert mehr Heimatgefühl, da diese ein wichtiger Faktor für Lebensqualität sei. Darin liegt sicher ein gute Stück Wahrheit, denn an einem Ort, den man nicht mag, kann man nicht gut leben. Allerdings ist die Frage, was sie, er  und es mögen und bevorzugen, eine sehr persönliche Frage, die eine Partei nicht über die Köpfe der Menschen hinweg beantworten darf, geschweige denn kann. Überhaupt: Was würden wir von einer Partei denken, die uns mitteilt, der Genuss von Mozart trage zur Lebensqualität bei, Chopin sei dagegen eher abträglich? Wir würden sie vermutlich auslachen.

Die AfD wartet hier stattdessen mit einem statischen Bild von Heimat auf, worin die Ziegel der Dorfkirche mehr Wert besitzen als die Menschen, die in ihr zusammenkommen. Dass Heimat aber auch freiheitlich und pluralistisch verstanden werden kann, zeigt der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland:

»Heimat bedeutet Verortung, die materiell und räumlich, virtuell oder in anderen Formen ausgebildet ist. Ankerpunkte für Heimat können die Landschaft, die Stadt, das Dorf oder die Nachbarschaft sein, das Natur- und Kulturerbe, aber auch Arbeit und Gemeinschaft, geteilte Überzeugungen, gemeinsame Interessen und vielfältige Weisen des realen und virtuellen Austausches von Menschen. Heimat ist dynamisch, weil es im Leben der Menschen viele Ankerpunkte geben kann.«

Fehlt solch ein Bezug, ist der Weg zu Isolierung und Vereinsamung nicht weit. Es gilt, die lokalen Gemeinschaften und deren Zusammenhalt zu fördern und zu stärken.

Die AfD Sachsen-Anhalt fordert daher:

  • mehr Plätze der Begegnungen zu schaffen um der Anonymität im öffentlichen Raum entgegen zu wirken und
  • das ehrenamtliche Engagement der Bürger in Feuerwehren, Kirchengemeinden, Sportvereinen und anderen Gemeinschaften zu fördern
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