2.1 Die Eigenart unseres Bildungswesens erhalten!

Bildung ist unser höchstes Gut. In ihr spiegelt sich unsere Kultur, sie gibt uns Identität und ist die Quelle unseres wirtschaftlichen Erfolgs wie auch des Ansehens, das unsere Wissenschaft in der Welt genießt. Darauf können wir stolz sein, dürfen uns auf dem Erreichten aber nicht ausruhen, denn unser Bildungssystem ist akut bedroht.

Das Leistungsniveau sinkt schon seit Jahrzehnten auf allen Ebenen, ideologische Experimente zehren an der Substanz, und im Namen der Internationalisierung wird unser einst von Freiheit geprägtes Bildungswesen in ein bürokratisches Korsett gezwungen. Hinzu kommt, dass sich föderale Strukturen gegenseitig blockieren. Bildung ist Sache der Länder, der Föderalismus darf aber nicht dazu führen, dass Schulabschlüsse nicht mehr vergleichbar sind. Viel zu oft spielt auch der Geldbeutel der Eltern für den Bildungserfolg eine größere Rolle als die Begabung des Kindes.

Unsere Bildungspolitik will all diesen Missständen durch einen Kraftakt abhelfen und dem deutschen Bildungswesen wieder zu alter Stärke verhelfen. Wir bekennen uns zum Leistungsprinzip, zum Humboldtschen Bildungsideal und zum unverwechselbaren Charakter unserer Universitäten. Das Bildungssystem darf nicht nur technisches Wissen vermitteln, es muss auch Sinn stiften, zu Tugenden wie Fleiß und Disziplin erziehen und dafür sorgen, dass junge Menschen wieder bereit sind, hart an sich zu arbeiten.

Kommentar

Die AfD zeigt mit den Worten »Leistung«, »Disziplin«, »Fleiß« und »wirtschaftlicher Erfolg« deutlich an, dass sie Bildung nicht als Grundlage eines mündigen und guten Lebens versteht, sondern Bildung untrennbar mit der Verwertung von Menschen für wirtschaftliche Interessen verknüpft.

Gegen dieses überkommene Modell stellen sich Pädagoginnen und Pädagogen nicht ohne Grund seit vielen Jahre entgegen. Sie beziehen sich darauf, mündige Menschen zu erziehen, die eigene Handlungen aufgrund von vernünftigen Entscheidungen vollziehen und so in der Lage sind, ein respektvolles und faires Miteinander zu gestalten, das nicht auf Gewinn und Wirtschaftlichkeit, sondern auf Menschlichkeit basiert.

Chancengleichheit, wie wir sie verstehen, heißt nicht, dass möglichst viele mit möglichst hohen Bildungsabschlüssen auszustatten sind; Chancengleichheit heißt, dass jeder, der über die notwendige Begabung verfügt, die gleiche Chance hat, einen Bildungsabschluss zu erwerben.

Kommentar

Chancengleichheit an »die notwendige Begabung« zu knüpfen, heißt im Konkreten, den Zugang zu Bildung und zu entsprechenden Berufsqualifikationen nur denjenigen zu ermöglichen, die aus Sicht der AfD die nötigen Eigenschaften aufweisen. Das heißt allerdings, alle Kinder und Jugendlichen aus dem Bildungssystem auszuschließen, die dem hier formulierten Leistungsanspruch nicht entsprechen.

Es ist jedoch eine der relevantesten Entwicklungen unseres Bildungssystems, allen Menschen, mit ihren unterschiedlichen Vorraussetzungen, den Zugang zu Bildung und zu berufsqualifizierenden Abschlüssen zu ermöglichen. Denn es kann nicht Grundlage einer demokratischen und humanistischen Gesellschaft sein, nur diejenigen in ihrer beruflichen Qualifikation und Freiheit zu fördern, die einem willkürlich festgesetzten Leistungsniveau entsprechen.

Wir brauchen nicht generell mehr Hochschulabsolventen. Was wir brauchen, ist eine bessere, zielgenauere und stärker am tatsächlichen Bedarf wie auch den individuellen Begabungsvoraussetzungen orientierte Vorbereitung junger Menschen auf ihren Beruf.