2.7.3 Dem akademischen Mittelbau eine Perspektive geben – Lebenszeitstellen unterhalb der Professur wieder einführen!

Wer heute eine akademische Laufbahn in Angriff nimmt, braucht vor allem eines: Risikofreude. Für Doktoranden und Habilitanden stehen ausschließlich befristete Stellen zur Verfügung, und das in einem Umfang, der die Zahl der zu besetzenden Professorenstellen um ein Vielfaches übersteigt. Der akademische Nachwuchs wird so zu einem Alles-oder-Nichts-Spiel gezwungen, was gerade die am besten qualifizierten Kandidaten abschreckt, zumal bei der Vergabe einer Professur immer weniger die wissenschaftliche Leistung und stattdessen politische Gesinnung und Geschlecht den Ausschlag geben.

Kommentar

Dass ein Leben im akademischen Mittelbau kein Zuckerschlecken ist, ist leider wahr. Ideologisch wird es dort, wo die AfD behauptet, dass aktuell weniger die wissenschaftliche Leistung zählt, als politische Gesinnung und Geschlecht. Erhebungen zeigen, dass Frauen an den Hochschulen unterrepräsentiert sind. Auch wenn es gleich viele männliche und weibliche Studierende gibt und fast so viele Frauen wie Männer Doktorandinnen sind, finden sich massiv mehr Männer auf Lehrstühlen wieder. Wenn gegen solche Ungleichheit nur eine Quote hilft, dann muss es diese geben, damit Frauen die gleichen Chancen auf Lehrstühle haben wie Männer. Eine solche geschlechterbezogene Regelung oder Quote gibt es allerdings nicht, einen politischen Gesinnungstest für Professorinnen und Professoren ebenfalls nicht.

Auch hier zeigt sich deutlich, dass die AfD vor allem eins kann: Stimmung machen und falsche Tatsachen verbreiten. Zudem wird an dieser Stelle einer der vielen Widersprüche innerhalb des AfD Wahlprogramms deutlich: Wurde noch im Abschnitt zuvor Position gegen Juniorprofessuren bezogen, heißt es nun, es müssten mehr Stellen an Universitäten her. Gerade Juniorprofessuren tragen jedoch zum Stellenausbau an Fakultäten bei und sind daher mehr als begrüßenswert.

Das sinkende Niveau an unseren Universitäten geht nicht zuletzt auf diese prekäre Situation des akademischen Mittelbaus zurück. Es ist nicht einzusehen, weshalb Lehrer an Schulen unbefristet eingestellt werden, Lehrpersonal an Hochschulen dagegen nur befristet auf wenige Jahre. Wir wollen deshalb das vorwiegend mit Unterricht bzw. Lehre befasste Personal an Schulen und Universitäten gleich behandeln.

Das sog. „Tenure-Track“-Verfahren muss für alle Mittelbaustellen zur Regel werden: Wenn ein Dozent sich drei Jahre auf einer Stelle bewährt hat, ist sein Arbeitsvertrag zu entfristen. Mittelbaustellen an den Universitäten in Sachsen-Anhalt dürfen nur noch nach diesem Modell ausgeschrieben werden. Für promovierte Lehrkräfte ist eine eigene Laufbahngruppe unterhalb der Professur zu schaffen. Die Professur muss wieder zu einer Option für besonders qualifizierte Mittelbaudozenten werden, sie darf nicht die letzte Chance sein.