2.8.1 Pflege der deutschen Leitkultur

Die Internationalisierung aller Lebensbereiche, die Herausbildung einer multikulturellen Gesellschaft auf deutschem Boden und der fehlende Mut zu unserer deutschen Leitkultur schwächen den gesellschaftlichen Zusammenhalt und gefährden auf lange Sicht die Demokratie selbst. Dem wollen wir mit einer Kulturpolitik gegensteuern, die in der Pflege einer deutschen Leitkultur eine sehr wichtige Aufgabe begreift und so dafür Sorge trägt, dass auch und gerade die integrationswilligen Einwanderer sich verstärkt mit unserem Land identifizieren.

Kommentar

Da ist sie wieder: Die »deutsche Leitkultur«. Diesmal soll sie über die Kulturpolitik erreicht werden. So »Richtig Deutsch« wird man also, wenn man regelmäßig ins  Theater geht. Dabei ist an dem Konzept grundsätzlich etwas faul: Zunächst setzt es voraus, dass es eine einheitliche deutsche Kultur gäbe. Fragt sich also nun, was der plattschnackende Biobauer mit der Mainzer Karnevalistin an Kulturmomenten teilt. Der zweite Schritt sieht dann so aus, dass sich Menschen, die nicht zu diesem Konstrukt gehören, daran anpassen müssen. Das alles ist allerdings nur nötig, wenn man Deutschland als Kulturnation begreift: Also eine Vereinigung von Menschen, die durch Geburt und Herkunft, ob sie das nun wollen oder nicht, eine Kultur teilen. Ein exklusiver Kulturclub und Anpassungszwang ist also der Wunsch der AfD. Wer diesem nicht gerecht wird, gefährdet angeblich die Demokratie, oder zumindest das, was die AfD darunter versteht. An dieser Stelle bleibt völlig unklar wie die Demokratie, die ihre Ursprünge in der griechischen Antike hat und vielen Ländern als politische Ordnung zugrunde liegt, ausgerechnet nur dann funktionieren sollte, wenn sie auf der »deutschen Leitkultur« fußt – was auch immer diese sein soll. Denn wäre das so, dann müssten ja auch alle anderen, demokratischen Staaten, die sich nicht der »deutschen Leitkultur« verschrieben haben, niemals in einem demokratischen System leben können – und so was kann niemand ernsthaft behaupten, der tatsächlich Ahnung von Politik und Staatssystemen hat.