3.3 Identität

Unsere kulturelle Identität ist die Antwort auf die Frage, wer wir sind. Identität ist nichts Nebensächliches, kein Mantel, den man an und wieder ablegen kann, wie es einem beliebt, sondern der Kern unserer Existenz.

Was heißt es, Deutscher zu sein? Welches Verhalten, welche Sitten und Gebräuche gehören hier her und welche nicht? Wo verläuft die Grenze zwischen dem Eigenen und dem Fremden?

Kommentar

Dass eine Gesellschaft die Grenzziehung zwischen »dem Eigenen und dem Fremden« vornehmen muss, um nicht auseinanderzufallen, ist ein Gedanke, der der Soziologie und Politologie eher fremd sein dürfte: Die plausibelsten Theorien zum Zusammenhalt von Gesellschaften gründen auf die Idee, dass es für Gemeinschaftssinn oder das Teilen universeller Werte keine Abgrenzung gegen den Rest der Welt nötig ist. Die AfD nimmt hier stattdessen deutliche Anleihen beim neurechtem Historiker Karlheinz Weißmann, welcher Mitbegründer des ebenso neurechten, kulturpessimistischen »Institut für Staatspolitik« ist.

Wir brauchen einen breiten Konsens darüber, wie diese Fragen zu beantworten sind, damit unsere Gesellschaft nicht auseinander fällt. Eine gefestigte Landesidentität garantiert Leistungs- und Opferbereitschaft, Gesetzestreue und Solidarität. Eine instabile Identität höhlt die Fundamente unseres Gemeinwesens aus und gefährdet auf lange Sicht die Demokratie selbst.

Kulturelle Identität ist nichts Statisches, sondern wird von jeder Generation verändert und fortentwickelt. Sie entsteht nicht im luftleeren Raum, sondern baut auf Traditionellem auf: der Kulturlandschaft, der Sprache mit ihren eigenen Denk- und Wertungsmustern, den musischen Ausdrucksformen, den historischen Erfahrungen, der Vermittlung von Werten und Moralvorstellungen durch Eltern, Großeltern und Gesellschaft.

Die AfD will daher Projekte und Initiativen fördern, die lokale und regionale Traditionen sichtbar machen und pflegen, die Heimatgeschichte dokumentieren und in Erinnerung rufen. Die AfD wird sich dafür einsetzen, dass im Geschichtsunterricht die Auswirkungen historischer Entwicklungen auf die Geschichte der Regionen in Sachsen-Anhalt angemessen und unverfälscht behandelt und wiedergegeben werden.

Kommentar

Wie unverfälschte Betrachtung der Ge- schichte bei der AfD aussieht, konnten wir schon in der Präambel lesen: Die barabari- sche, deutsche Gesellschaft der Nationalso- zialisten, die den größten Völkermord der jüngeren Geschichte vollzog wird zu »zwölf Unglückjahren« bagatellisiert.

Unsere Identität hat sich im Laufe vieler Jahrhunderte besonders aus den Traditionen des christlichen Abendlandes entwickelt. Wichtige Grundlagen unseres Staates wurden im 19. Jahrhundert gelegt. Unsere nationalen Traditionen, Symbole und Vorstellungen müssen im Unterricht erklärt und von Einwanderern akzeptiert werden. Das Singen der Nationalhymne bei feierlichen Anlässen sollte bei uns, wie in anderen Ländern, selbstverständlich sein. Zu unserer Identität gehören auch bestimmte Vorstellungen von Freiheit, Menschenwürde, Gleichberechtigung, ein säkulares Staatsverständnis, Demokratie und Aufklärung. Der Islam gehört hingegen nicht zu unserer Identität. Er hat unsere Geschichte und unser Selbstverständnis nicht geprägt.

Kommentar

Die Gegenüberstellung der identitären Werte zum Islam suggeriert, dass diese mit dem Islam unverträglich sind. Das ist doppelt falsch. Genau wie es verschiedene Ausprägungen christlichen Glaubens gibt, gibt es viele Arten und Weisen, auf die Muslime ihr Leben leben. Von »dem Islam« zu sprechen, ist daher erstens eine unangemessene Gleichmachung. Und zweitens hat natürlich auch der Islam das deutsche und europäische Denken in positiver Weise mitgeprägt: Christliche, jüdische und muslimische Traditionen sind miteinander stark verflochten und auch politisch-gesellschaftlich wäre unsere Welt heute eine völlig andere, wenn es auch nur eine dieser Religionen nicht gegeben hätte.

Wir verlangen von Menschen die dauerhaft in unserem Land leben wollen, dass sie unsere Kultur akzeptieren  und nicht versuchen, diese zu verdrängen.

Kommentar

Erneut macht die AfD hier Pferde scheu, wo es keinen Anlass gibt. Der Bau neuer Gebäude – Krankenhäuser, Einkaufszentren, kultureller Einrichtungen – ist immer von diversen Akten in Verwaltung und Politik begleitet, über die Bürgerinnen und Bürger informiert werden und zu denen auch jetzt schon Bürgerentscheide möglich sind.

Wir erwarten zudem, dass sie sich an die Gesetze und die Verfassung unseres Landes halten.

Die AfD bekennt sich zur Freiheit des Glaubens und zur ungestörten gewaltfreien Religionsausübung, wie dies in Art. 4 GG Abs. 1 und 2 festgeschrieben ist und sofern diese mit unseren Gesetzen in Einklang steht. Die private Religionsausübung muslimischer Mitbürger ist in Sachsen-Anhalt auch ohne Großmoscheen mit Minaretten möglich. Derartige Bauprojekte, insbesondere wenn sie tief in historisch gewachsene Stadtbilder eingreifen, müssen erst von der ansässigen deutschen Bevölkerung akzeptiert und dürfen nicht gegen deren Willen errichtet werden.

Wir fordern, dass Bürger künftig in solche Planungen frühzeitig einbezogen werden und ggf. über Bürgerentscheide ihrem Willen Ausdruck verleihen können. Entscheidungen ohne ausreichende Bürgerbeteiligungen sind abzulehnen, sie drohen den Nährboden für Gewalt , Politikverdrossenheit  und Extremismus zu bereiten.

Kommentar

Hier stellt die AfD Gewalt in eine Reihe mit Politikverdrossenheit und Extremismus und adelt sie damit als politisches Ausdrucksmittel. Das allein ist schon verkehrt und gefährlich, vor dem Hintergrund der massiven Welle rassistischer Gewalt, die die BRD seit Ende 2014 überrollt, ist es zudem noch geschmacklos.

Politikverdrossenheit lässt sich leider nicht dadurch eindämmen, dass man Bürgerinnen und Bürgern eine oder zwei weitere Möglichkeiten gibt, ein Kreuz auf einem Zettel zu machen. Dafür bedarf es kluger Bildungspolitik und -arbeit sowie gegenseitigen Angeboten aus Bürgerschaft und Parteien, um gemeinsam die Gesellschaft zu gestalten. Vor allem bedarf es aber einer Öffentlichkeit, die auf Solidarität, Vertrauen und der Möglichkeit zu Veränderung setzt. Die AfD macht nur das Gegenteil und fördert Konkurrenz, Misstrauen und erklärt, dass wir politisch und kulturell zu unveränderlichen Traditionen zurückzukehren haben.

Sprache ist das, was gesprochen wird und ist damit immer neu, immer ein bisschen anders. Auch neue Gedanken sind nur dann möglich, wenn Sprache veränderlich ist. Nicht nur verkennt die AfD, dass Sprache flexibel gehalten werden muss – und das heißt auch, mal Neues auszuprobieren –, sondern sie bedient hier auch das verschwörungstheoretische Motiv, fremde Ideologen würden die Gesellschaft nach ihrem Willen lenken und fremdbestimmen.

Die im Kindesalter erworbene Muttersprache ist die Grundlage des Denkens und der Kommunikation, auch des Verstehens und richtigen Gebrauchens von Fremdsprachen. Durch Sprachregelungen, Euphemismen und Sprechverbote wird derzeit in Deutschland versucht, eine in der Gender- und Gleichstellungsideologie fundierte Weltanschauung durchzusetzen und kritisches Denken einzuschränken.

Kommentar

Sprache ist das, was gesprochen wird und ist damit immer neu, immer ein bisschen anders. Auch neue Gedanken sind nur dann möglich, wenn Sprache veränderlich ist. Nicht nur verkennt die AfD, dass Sprache flexibel gehalten werden muss – und das heißt auch, mal Neues auszuprobieren –, sondern sie bedient hier auch das verschwörungstheoretische Motiv, fremde Ideologen würden die Gesellschaft nach ihrem Willen lenken und fremdbestimmen.

Die AfD wendet sich entschieden gegen derartige Sprachvorgaben in Ministerien, öffentlichen Einrichtungen, Medien und Schulen.

Kommentar

Sprachregelungen gibt es im Alltag, in Beruf, in Institutionen und sind dort nichts Ungewöhnliches. Sie können technische Abläufe klarer machen oder sicher stellen, dass bestimmte Vereinbarungen eindeutig sind. Ist man in sprachliche Vereinbarungen nicht eingeweiht, kann das zwar auch verwirrend werden – »Beamtendeutsch« ist wohl eines der bekanntesten Beispiele dafür –, in der Fülle der Fälle steht hinter diesen Regelungen aber eine gute Idee. Im Zusammenhang mit Gleichstellung gibt es vereinzelte Vorschläge, Vereinbarungen und Empfehlungen, einen ideologisch motivierten Zwang o.ä. gibt es allerdings nicht.

Wir wollen weniger Anglizismen und Englisch im öffentlichen Sprachgebrauch und fordern stattdessen die Pflege der deutschen Sprache. Unser Deutsch ist eine der großen Kultursprachen des Abendlandes, die meistgesprochene Sprache in der EU und nach Englisch und Spanisch die meistgelernte Fremdsprache der Welt. Wir fordern, dass das Land Sachsen-Anhalt Richtlinien erlässt mit dem Ziel, unnötige Anglizismen im amtlichen Sprachgebrauch zu vermeiden. Die von Amts wegen verwendete Sprache muss für alle Generationen verständlich sein. Ferner gilt es, die deutsche Sprache zu schützen und zu erhalten.

Kommentar

Noch im vorherigen Abschnitt wird gezetert: »Keine ideologisch motivierten Sprachvorgaben!«. In diesem Abschnitt wird wird gefordert: »Sprachvorgaben auf volksdeutsch-ideologischer Basis«. Ob das nun die bitterste Ironie oder nur plumpe Selbstvergessenheit ist, bleibt an dieser Stelle leider offen.